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вторник, 18 февраля 2020 г.

Regierungskrise in Thüringen: Die besondere Beziehung von Ramelow und Lieberknecht

Im Thüringer Politikchaos soll es nun die Vorgängerin richten: Christine Lieberknecht. Fast zwei Wochen nach dem Wahldebakel schlug der ehemalige Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) die von ihm im Jahr 2014 im Amt abgelöste CDU-Politikerin als Übergangsregierungschefin vor. Mit einer «technischen Regierung» soll die 61-Jährige binnen 70 Tagen eine Landtagsneuwahl organisieren.    

Alles klar, keine weiteren Fragen. Außer: warum? Warum Lieberknecht? Warum, ausgerechnet!, eine CDU-Politikerin nach dem Tabubruch von Thüringen? 

Die Schützenhilfe von Bodo Ramelow

Nun: Dafür dürfte es durchaus taktische Gründe geben. Ramelow unterbreitet der CDU auf dem Weg zu raschen Neuwahlen ein Angebot, dass die Christdemokraten kaum ablehnen können – um nur einen Aspekt seines Vorstoßes zu nennen. Ganz uneigennützig dürfte der Vorschlag nicht sein. Aber auch ein persönliches Motiv ist denkbar oder sogar wahrscheinlich: Ramelow kann gut mit Lieberknecht und Lieberknecht gut mit Ramelow.

Beide kennen sich fast drei Jahrzehnte – noch als Lieberknecht Ministerin war und Ramelow Gewerkschaftsfunktionär. Und beide pflegen ein über die Parteigrenzen hinweg respektvolles Miteinander. Sie war zu seiner Hochzeit geladen, er war Gast auf ihrem 60. Geburtstag.

Thüringen Ticker Dreh 15.55Vor allen Dingen aus ihrer Zeit als Landtagspräsidentin hatte Lieberknecht ein gutes Verhältnis zu dem Linken-Politiker, der damals Oppositionsführer im Landtag war. Bei der Wahl zur Ministerpräsidentin 2009 sprang Ramelow ihr nach zwei erfolglosen Wahlgängen zur Seite und sorgte mit seiner Kandidatur im dritten Wahlgang dafür, dass sich die Reihen schlossen. Man könnte auch sagen: Ramelow gab Lieberknecht Schützenhilfe.

Nie war von einem der beiden ein abfälliges Wort über den anderen zu hören. «Ich schätze sie als klare Demokratin», sagt Ramelow der Deutschen Presse-Agentur. Sie und ihn verbinde, «Gesicht gegen braunen Ungeist zu zeigen» — und vielleicht auch, dass beide Protestanten sind. Und Lieberknecht?

Die CDU-Frau und Pastorin hält sich am Dienstag zunächst zurück und äußert sich nicht über eine mögliche, zeitlich befristete Rückkehr in die vorderste Linie der Landespolitik. «Die Personalie steht doch erst zur Diskussion, wenn es zwischen der Linken und der CDU Einvernehmen über Neuwahlen gibt», heißt es aus ihrem direkten Umfeld. Ramelow ist dennoch überzeugt, dass sich Lieberknecht nicht verweigert – auch wenn er mit ihr erst am Dienstagmorgen – 7.00 Uhr, wie er berichtet – gesprochen hat. Sie habe gesagt, wenn ihr Einsatz helfe, den «Gordischen Knoten» zu durchschlagen, sei sie dazu bereit.

Ministerin, Partei- und Fraktionsvorsitzende, Landtagspräsidentin und Ministerpräsidentin

Christine Lieberknecht blickt auf eine lange politische Karriere in Thüringen zurück: Die CDU-Politikerin war schon Ministerin, Partei- und Fraktionsvorsitzende, Landtagspräsidentin und Ministerpräsidentin. Wie viele ostdeutsche Politiker, die nach der Wiedervereinigung Karriere machten, ist die 61-Jährige Theologin. Manchen gilt die aus Weimar stammende Pastorin mit ihrem eher präsidialen Stil und ihren Hosenanzügen als regionales Pendant zu Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Von 2009 bis 2014 führte Lieberknecht als Regierungschefin in Thüringen eine schwarz-rote Koalition an. Sie war damals die erste Frau an der Spitze eines ostdeutschen Bundeslandes.

Lieberknecht war schon zu DDR-Zeiten in die damalige Blockpartei CDU eingetreten, gehörte aber kurz vor dem Mauerfall zum Reformflügel der Partei. Wie Merkel ist Lieberknecht die Tochter eines Pfarrers. Als ältestes von vier Kindern wurde sie am 7. Mai 1958 in Weimar geboren. Die Politik versucht die Theologin mit der Gelassenheit des «Christenmenschen» zu nehmen. Sie gilt als bodenständig («Ich bin Thüringerin durch und durch»). Ihr wird ein guter Instinkt für das rechte Maß und für Stimmungen nachgesagt. Sie ist mit einem Theologen verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und ist inzwischen auch Großmutter.

Mike Mohring war einst ein innerparteilicher Gegenspieler von Christine Lieberknecht

«Wir müssen erreichen, dass wir zu Neuwahlen kommen — und zwar alle erhobenen Hauptes», begründet Ramelow seinen Vorschlag. Derweil beraten CDU, Linke, SPD und Grüne hinter verschlossenen Türen über den Schachzug, der nach Ansicht von Beobachtern vor allem die CDU unter Druck setzt.

Manche sprechen in den Landtagsgängen sogar von einem «vergiftetem Angebot». Bisher hat sich die einstige Thüringer Regierungspartei CDU geschüttelt, wenn der Begriff Neuwahl fiel. Umfragen prognostizieren der Partei dann einen Absturz auf 13 Prozent. Umso vorsichtiger agiert ihr Noch-Fraktionschef Mike Mohring – übrigens einst ein innerparteilicher Gegenspieler von Lieberknecht, was Ramelow ebenfalls zusagen könnte – der sich nach dem Harakiri der Thüringer CDU in den vergangenen Tagen nun vom Fraktions- und Parteivorsitz zurückziehen will.

Mohring spricht in einer Verhandlungspause von einen «spannenden und überraschenden Vorschlag» Ramelows, der mit Respekt aufgenommen worden sei. Dann nimmt sich die CDU eine Auszeit und will später weiter über ihre Antwort brüten. Immerhin wäre sie mit Lieberknecht als Übergangsministerpräsidentin wieder im politischen Spiel. 

Thüringen: Respekt für Ramelow-Idee: CDU-Politikerin Lieberknecht soll übergangsweise Regierungschefin werden

Zur Lösung der Regierungskrise in Thüringen hat die Linke überraschend vorgeschlagen, übergangsweise die frühere CDU- Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht als Regierungschefin einzusetzen. Die 61-Jährige soll demnach etwa 70 Tage lang eine "technische Regierung" mit drei Ministern bilden – bis ein neuer Landtag gewählt ist. Ex-Regierungschef Bodo Ramelow sagte am Montagabend nach einem Treffen von Linkspartei, CDU, SPD und Grünen in Erfurt, er wolle mit seinem Vorschlag einen für alle akzeptablen, überparteilichen Weg eröffnen, als "Beitrag zur Stabilisierung des Landes".

Er selbst werde vorerst nicht für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren, versicherte er. Das Land brauche nun eine Regierung, die handlungsfähig sei. Zugleich machte der 64-Jährige klar, dass er bei Neuwahlen wieder als Spitzenkandidat der Linken antritt.

70 Tage Zeit für eine Neuwahl

Stimmt das Parlament mit der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit Neuwahlen zu, bleiben dafür dann laut Landesverfassung 70 Tage Zeit. Nach Ramelows Plan soll Lieberknecht mit "einem Justizminister, mit einer Finanzministerin und einem Chef der Staatskanzlei" die wichtigsten Aufgaben in Thüringen lösen. Über den Vorstoß wollen Linke, CDU, SPD und Grüne an diesem Dienstag (13.30 Uhr) erneut sprechen.Interview Yascha Mounk Thüringen Demokratie-Krise 11.20

Die Fraktionen im Landtag suchen seit fast zwei Wochen nach einem Ausweg aus der politischen Krise. Auslöser war das Debakel bei der Ministerpräsidentenwahl am 5. Februar. An dem Tag hatte die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich mit Stimmen von CDU, FDP und maßgeblich der AfD zum Ministerpräsidenten für ein politisches Beben gesorgt. Drei Tage später trat der 54-Jährige zurück. Er ist seitdem geschäftsführend ohne Minister im Amt, bis ein neuer Ministerpräsident gewählt ist.

Thüringens Linke-Chefin Susanne Hennig-Wellsow twitterte einen Zeitplan zu Ramelows Vorstoß. Demnach soll sich Anfang März der Landtag auflösen und Neuwahlen beschließen. Danach würde die technische Landesregierung mit Lieberknecht an der Spitze eingesetzt. Anschließend soll nach Neuwahlen eine neue Regierung gebildet werden. Dabei gehe die Linke wieder mit Ramelow als Spitzenkandidat ins Rennen, betonte sie.

"Hoher Respekt für Bodo Ramelow"

Thüringens SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee begrüßte Ramelows Vorstoß. "Das ist ein sehr guter Vorschlag", sagte Tiefensee. "Hoher Respekt für Bodo Ramelow, dass er sich selbst zurückzieht, den Weg frei macht für eine technische Regierung."

Die Verhandlungsgruppe der Thüringer CDU-Fraktion reagierte verhalten. "Wir glauben, dass das Wichtigste ist, dass am Ende eines Prozesses nicht die AfD stärker werden kann, als sie jetzt schon ist", sagte Thüringens CDU-Vizechef Mario Voigt. Die CDU hatte bereits im Vorfeld signalisiert, dass sie kein Interesse an Neuwahlen hat. Hintergrund dürfte auch sein, dass sie laut Umfragen in der Wählergunst stark eingebüßt hat. Nun will sie über Ramelows Vorschlag in ihren Gremien reden, kündigte Voigt an.

Grüne zeigen sich wenig begeistert von Christine Lieberknecht als Übergangs-Regierungschefin

Auch die Grünen zeigten sich zunächst nicht begeistert von Ramelows Vorstoß. Man präferiere weiterhin die Variante, "dass schnell eine handlungsfähige Regierung unter Bodo Ramelow hergestellt wird", sagte Landessprecherin Ann-Sophie Bohm-Eisenbrandt.

TV Kritik Maischbeger Bodo 0705Die Christdemokraten hatten es bislang abgelehnt, Ramelow aktiv in das Amt des Regierungschefs mitzuwählen. Den Christdemokraten verbietet ein Bundesparteitagsbeschluss jede Form der Zusammenarbeit mit der AfD und den Linken.

Die 61-jährige Lieberknecht war von 2009 bis 2014 Regierungschefin in Thüringen und führte damals eine Koalition von CDU und SPD an. Nach der Landtagswahl 2014 entschied sich die SPD für ein Bündnis mit den Linken und den Grünen. So kam es zum Machtwechsel, obwohl die CDU damals stärkste Fraktion im Landtag blieb. Lieberknecht wird schon seit vielen Jahren ein gutes Verhältnis zu Ramelow nachgesagt.

Ramelow hatte zuletzt stets betont, er wolle sich erneut einer Ministerpräsidentenwahl stellen, wenn es für ihn eine absolute Mehrheit ohne AfD-Stimmen gibt – dafür sind mindestens vier Stimmen von CDU oder FDP nötig. Zugleich hatte er vorgeschlagen, dass er nach seiner Wahl den Weg für geordnete Neuwahlen frei macht – möglichst nach einer Verständigung über den Landeshaushalt für 2021, um Thüringen bis zu einer Landtagswahl handlungsfähig zu halten.

60 von 90 Stimmen sind für eine Auflösung des Landtages notwendig

Für eine Auflösung des Thüringer Landtags sind 60 der 90 Stimmen nötig. Rot-Rot-Grün hat zusammen 42 Stimmen, die CDU 21 und die FDP 5.

Nach dem Debakel um die Wahl Kemmerichs hat die Linke laut Umfragen in der Wählergunst deutlich zugelegt, CDU und FDP sind dagegen deutlich abgesackt.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach schrieb auf Twitter, Ramelow mache den Weg frei für einen "Befreiungsschlag" in Thüringen. "Jetzt sollte es nach einer Übergangszeit Neuwahlen geben, so dass klare politische Verhältnisse entstehen. Die CDU darf nicht länger die Regierungsbildung oder Neuwahlen blockieren."

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans sprach von einer "großen Geste":  

Grünen-Bundes-Chefin Annalena Baerbock teilte – trotz der Zweifel aus dem eigenen Landesverband – auf Twitter mit: "Respekt. So geht verantwortungsvolles Handeln im Sinne der Demokratie, liebe CDU."

суббота, 15 февраля 2020 г.

Satiriker: Hammer, Sichel und Hakenkreuz-Binde: Martin Sonneborn zerlegt provokant die Hufeisen-Theorie

"Liebe Extremistinnen und Extremisten an den Geräten" - so beginnt Martin Sonneborn mit Hakenkreuzbinde auf dem linken und Hammer und Sichel auf dem rechten Arm sein provokantes Video zur sogenannten Hufeisen-Theorie. Die These von der politischen Mitte und den extremistischen Rändern, wird, so hofft der seit Jahren im EU-Parlament sitzende Satiriker, als "erbärmlichstes politisches Analyse-Angebot des 21. Jahrhunderts in die Geschichte der Demokratie eingehen".

Anlass ist natürlich die Wahl in Thüringen, "dem Kernland von Rostbratwurst und nationalsozialistischer Machtergreifung". Dort hat sich, so Sonneborn, "ein windiger AFDP-Friseur mit Cowboy-Stiefeln und voller Absicht aus Versehen zum Ministerpräsidenten wählen lassen." Das sei aber nicht das erste Mal passiert, mahnt Sonneborn: Auch die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen habe sich um die Stimmen von Rechtsradikalen - der polnischen PIS und des ungarischen Machthabers Orban - bemüht, um sich ins Amt wählen zu lassen.

+++ Mehr über die Vorgeschichte und das umstrittene Entstehen von Sonneborns Clip erfahren Sie hier +++ Hufeiesentheorie warum das schwachsinn ist 20.00

"Geistreicher wird es nicht"

Seit der Wahl in Thüringen wird immer wieder die Hufeisentheorie bemüht, um eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei zum Tabu zu erklären. Die gute Mitte gegen die bösen Ränder, so fasst Sonneborn "das lustige kleine Theorem" zusammen. "Das war's auch schon. Geistreicher wird es nicht." Für differenziertes Denken über eine komplexe Welt lasse die von "Neurechten aus dem Verfassungsschutz" erdachte Theorie keinen Platz. "Hufeisentheorien mögen auf der Trabrennbahn von Nutzen sein, als vereinfachende Welterklärungsformeln sind sie vollkommen ungeeignet", bringt Sonneborn sein Problem mit der umstrittenen Theorie auf den Punkt.

"Wenn man AFD und Linkspartei neuerdings also gleichsetzen muss, gilt das dann auch für Hitler und Stauffenberg, AKK und PKK, Trichlorethylen und Tick, Trick und Track?", fragt Sonneborn rhetorisch. Das Hufeisen erkläre politische Parteien zu Extremisten, die es nicht seien - und verniedliche gleichzeitig den Faschismus. Zudem würden radikale Positionen in der Mitte, etwa "der neoliberale Marktextremismus der Spaßpartei FDP" oder "der extreme Pragmatismus von Olaf Scholz, angeblich SPD" unterschlagen.Interview Martin Sonneborn 1715

Die linke CDU

Um zu zeigen, wie wenig extremistisch die aktuellen Positionen der Linken sind, zitiert Sonneborn: "Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden." Der Clou: Der Satz stammt nicht von der Linken - sondern aus dem 1947 beschlossenen Ahlener Programm der CDU.

Zu den Rechten meint er sich nicht groß erklären zu müssen. Über die "verf***ckte AFD" sei mittlerweile genug geschrieben worden, klagt Sonneborn. "Was ist das eigentlich für ein Land geworden, in dem einem auf Anhieb fünf gefährliche Rechtsextremisten einfallen - aber kein einziger gefährlicher Linksextremist? Außer Johannes Kahrs."

Sollte trotzdem noch jemand die  Linke und die "Piieeep AFD" gleichsetzen, würde er irgendwann persönlich eine extremistische Linkspartei gründen, den Planeten mit einem kommunistischen Terrorregime überziehen, alle Reichtümer nach unten (und an sich) verteilen, Waffenfirmen verbieten und SUV-Fahrer an den Pranger stellen. "Und das, liebe Freunde der Hufeisentheorie, wäre dann das echte Korrelat zu den Faschisten, die Sie auf der anderen Seite Ihrer unterkomplexen Weltsicht finden."

Quelle: Youtube