
Das Szenario:
Heroin-Hotspot Sachsen-Anhalt: Nachdem am Rand einer Landstraße die Leiche einer jungen Frau gefunden wurde, die durch einen Kopfschuss nach Mafia-Art hingerichtet wurde, ermittelt Kommissarin Brasch (Claudia Michelsen) in der Drogenszene Magdeburgs. Junkies auf kaltem Entzug, Dealer mit Darknet-Anschluss und Gangster, die auch hinter Gittern ihren Geschäften nachgehen — bald watet die Polizistin knietief durch den Drogensumpf Magdeburgs. An ihrer Hand: die dreijährige Tochter des Mordopfers.
Der Clou:
Wenn Eltern ihre Kinder ans Heroin verlieren — und Kinder ihre Eltern: Das Drogenelend in Dauerschleife wird hier in den Augen der Väter gespiegelt, deren Töchter und Söhne der Sucht anheim fielen. Obwohl dieser «Polizeiruf» zwischenzeitlich wie ein Drogen-Krimi daherkommt, geht es vor allem um gescheiterte Beziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern.
Das Bild:
Eine Spritze in Großaufnahme, die in eine Vene sticht. Danach das Gesicht eines Ex-Junkies, der nach diesem ersten Schuss seit Jahren augenblicklich in sich zusammensackt. Die Tragik eines Fixer-Lebens, in zwei Schnitten auf den Punkt gebracht.
Der Dialog:
Im Jugendzimmer des Mordopfers — die Kommissarin fragt den Vater der Toten aus:
Kommissarin: «War sie drogensüchtig?»
Vater: «Sie war 14, als das anfing. Erst Pillen, irgendwann dann Heroin. Das hier war nur noch ein Ort zum Schlafen für sie. Sie hat uns angelogen, dass sie aufhört, dass sie weg ist von dem Zeug. Und dann ging wieder alles von vorne los. Meine Frau hat es ihr immer geglaubt. Hat sie krank gemacht.»
Kommissarin: «Und Sie?»
Vater: «Das fragen Sie mich? Jetzt? Wissen sie, wie oft ich bei den Kollegen war?»
Der Song:
«The Hanging Tree» von James Newton Howard ft. Jennifer Lawrence. Der Song aus dem Soundtrack von «Die Tribute von Panem», der hier über das kathartische Finale gelegt wird, ist sicherlich ein effizienter Emotionenbeschleuniger — aber er wirkt doch auch ein bisschen überdimensioniert für das filigrane Familien-Drogen-Drama, was zuvor erzählt wurde. Generell nervt es, dass inzwischen in jedem zweiten Sonntagskrimi am Ende der ganz große süffige Powerballaden-Schlussakkord gesetzt werden muss.
Die Bewertung:
6 von 10 Punkten. Gewalt, Schmerz, Hoffnung: trotz kleiner dramaturgischer Fehler ein Drogen-Trauerspiel mit Lichtblicken.
Die Analyse:
«Polizeiruf 110: Tod einer Toten», Sonntag, 20.15, Das Erste
Source: spiegel.de
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