четверг, 19 марта 2020 г.

Coronavirus und die Gesellschaft: Die Welt steht still

Es ist herzzerreißend, was die Ärztin Francesca Cortellaro aus ihrem Krankenhaus San Carlo Borromeo in Mailand berichtet. Sie erzählt die Geschichte eines alten Mütterchens, das schwer krank und allein in die Notaufnahme kam. Die Frau hatte noch einen Wunsch: sich von ihrer Enkeltochter zu verabschieden. Da gab ihr die Ärztin ihr eigenes Handy für eine FaceTime-Verbindung. Mehr konnte sie nicht für sie tun. So erzählt es Francesca Cortellaro der italienischen Zeitung Il Giornale. Sie sagt, dass die Corona-Kranken genau wissen, wie es um sie steht: «Es ist so, als ob sie ertrinken würden, aber genug Zeit haben, um es auch mitzukriegen.»

Kein Land in Europa wurde so hart getroffen wie Italien. Bei Redaktionsschluss waren es etwa 28.000 registrierte Infizierte und mehr als 2100 Tote – eine im Vergleich zu Deutschland horrende Mortalitätsrate! Auch wenn die Zahl der Neuinfizierten nun stabil zu sein scheint: 30 Prozent aller Todesopfer weltweit wurden seit Ausbruch der Corona-Krise aus Italien gemeldet.

Man kann nur hoffen, dass die italienischen Verhältnisse nicht zum Muster für Deutschland und andere Länder werden, die den rapiden Anstieg von Infektionen noch vor sich haben. Vieles spricht dafür, dass die hohe Todesrate in Italien auch darauf zurückzuführen ist, dass viel mehr Menschen infiziert als registriert sind. Und dass die medizinische Versorgung in Italien schlechter ist als in Deutschland, was dazu führt, dass aufgrund des Mangels an Intensivbetten offenbar auch Patienten sterben, die möglicherweise hätten gerettet werden können.

Aber schon jetzt eint alle von Corona betroffenen Länder etwas, was merkwürdigerweise selbst bei den Reden der Politiker ans Volk kaum eine Rolle spielt. Alle Maßnahmen, die nun das Leben der Menschen so stark verändern wie vielleicht sonst nur ein Krieg, folgen einem Imperativ, wie es ihn so noch nie gegeben hat: Wir wollen die Schwachen schützen, die Alten, die Vorerkrankten! Die gesundheitlich besonders Gefährdeten also werden eben nicht stigmatisiert und vom Rest der Bevölkerung getrennt. Und nicht einmal die schlimmsten Autokraten, die ja zurzeit in aller Welt ihr Unwesen treiben, machen öffentlich eine Rechnung auf, die da lauten könnte: Ein paar Zehntausend Tote sind nicht so schlimm wie der drohende weltweite Einbruch der Konjunktur.

Stattdessen legen sich ganze Gesellschaften Fesseln an und zeigen so tätige Solidarität – eine nie da gewesene Demonstration der Mitmenschlichkeit. Die Belege sind im Kleinen wie im Großen sichtbar. Es sind die Zettel, die in Hausfluren hängen, wie zum Beispiel in Hamburg-St. Pauli: «Liebe Nachbar*innen, die Welt steht kopf … hoffentlich seid ihr alle wohlauf! Wenn ihr Unterstützung mit/bei irgendwas braucht, meldet Euch! Leonie». Die Menschen, die in Krankenhäusern und Pflegeheimen ihr Äußerstes geben. Die Kassiererin im Supermarkt, die Käufern die dritte Dose eingelegte Tomaten oder die dritte Packung Klopapier wegnimmt, weil es für alle reichen soll, und die sich dann tapfer den entrüsteten Wutkunden stellt, die das Hamstern für ein Menschenrecht halten, aber sich nicht einmal um den Sicherheitsabstand zu der Frau an der Kasse scheren.

In der Not kehren die Menschen das Beste und das Schlechteste hervor. Obwohl es in Italien schon vor dem Shutdown Sperrzonen und höchstamtliche Warnungen gab, führten sich viele auf, als sei das eine Aufforderung zur großen Party gewesen. Aus dem schon sehr frühzeitig zum Sperrgebiet erklärten lombardischen Codogno schlich sich ein älteres Ehepaar in sein Ferienhaus im Trentino und wurde dort krank. Nun sind die beiden mitverantwortlich für die Ausbreitung des Virus in einer Region, die sich wegen der fehlenden Touristen gegen den Ruin stemmt. Noch am 27. Februar forderte Lega-Chef Matteo Salvini die Italiener per Video auf, sich wieder ins Leben und in die Arbeit zu stürzen, als wäre nichts gewesen – ein bestürzender Beweis dafür, dass Populisten Zwietracht und Hass säen können, aber zur Lösung großer Aufgaben nicht das Geringste beizutragen haben. Und die Verschwörungstheorien, die im Netz in Italien, aber auch in Deutschland kursieren, lassen Zweifel aufkommen, ob sich am Aberglauben der Menschen seit dem Mittelalter Nennenswertes verändert hat.

In Deutschland versuchen Politiker jetzt an einem Strang zu ziehen, um die Lage wenigstens an der Oberfläche zu beruhigen. Es wäre wünschenswert, wenn sich zudem die führenden Virologen und Epidemiologen ein wenig abstimmen würden, bevor sie die Öffentlichkeit alarmieren. Bedauerlich bleibt, dass ausgerechnet das Robert Koch-Institut die Gefahr am Anfang erheblich unterschätzt hat.

Seit dieser Woche ist auch Deutschland im Ausnahmezustand. Niemand kann genau sagen, wie die Krankheit sich weiter ausbreitet, wie lange sie dauert und was auf allen Ebenen die Folgen sein werden. Es wird weiter Situationen geben, in denen die Menschen so hilflos sind wie die Mailänder Ärztin Francesca Cortellaro. Aber wir alle haben es in der Hand, die Corona-Krise am Ende auch zu einem Akt der Menschlichkeit zu machen, den unserer komischen Gattung schon keiner mehr zugetraut hätte.

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