Unbeeindruckt vom Skandal um Russlands Olympia-Staffel hat Ex-Doper Alexander Loginow überraschend die Goldmedaille bei der Biathlon-WM gewonnen.
Dreieinhalb Jahre nachdem der 28 Jahre alte Russe seine EPO-Sperre verbüßt hat, besiegte er am Samstag in der Antholzer Süd-Tirol-Arena alle Favoriten im Männer-Sprint. Stunden zuvor war Olympiasieger Jewgeni Ustjugow, 2014 Staffel-Schlussläufer der Russen, vom Biathlon-Weltverband des Dopings für schuldig befunden worden.
«Der Kollege Loginow war ja gesperrt. Die Regel besagt, dass man nach zweijähriger Sperre wieder zurückkehren kann. Deswegen ist davon auszugehen, dass er im Moment sauber ist», sagte Peiffer, der als Siebter bester deutscher Skijäger war. WM-Debütant Philipp Horn kam im WM-Sprint auf Rang acht.
Auf das Siegerpodest schafften es dagegen Fillon Maillet (1 Fehler) und Martin Fourcade (0). Die beiden Franzosen lagen vor den Norweger-Brüdern Tarjei Bö (0) und Johannes Thingnes Bö (1) im Zehn-Kilometer-Sprint.
Olympiasieger Peiffer, gerade erneut zu Niedersachsens «Sportler des Jahres» gekürt, blieb am Schießstand als einziger der vier deutschen Biathleten fehlerfrei. Der 32-Jährige verschaffte sich somit eine ordentliche Ausgangsposition für die Verfolgung am Sonntag. Peiffer lag über die zehn Kilometer 39,7 Sekunden hinter Loginow.
Trotz zwei Strafrunden platzierte sich Horn, der 44,4 Sekunden hinter dem Sieger lag, direkt hinter Peiffer. «Es hat richtig Spaß gemacht. Ich denke, das ist eine super Ausgangsposition für die Verfolgung», sagte Horn.
Ex-Weltmeister Benedikt Doll musste dagegen dreimal in die Strafrunde und hat als 14. bereits 1:11,6 Minuten Rückstand. «Ärgerlich, dass es am Schießstand nicht geklappt hat», sagte der als Mitfavorit gehandelte Doll. Johannes Kühn wurde nach vier Strafrunden 40. und muss nun im Jagdrennen knapp zwei Minuten aufholen.
«Es ist unglaublich, was die Russen gemacht haben», sagte IBU-Genralsekretär Niklas Carlsson dem ZDF mit Blick auf die Ereignisse bei Olympia in Sotschi vor sechs Jahren. Nach dem Urteil des Weltverbandes rückt der Gewinn von Olympia-Gold mit jahrelanger Verspätung damit für die deutschen Biathleten Erik Lesser, Daniel Böhm, Peiffer und Simon Schempp immer näher. Denn Ustjugow wurde des Dopings für schuldig befunden, wie die IBU am Samstag vor dem Sprint-Wettkampf im italienischen Antholz mitteilte. Sämtliche Ergebnisse des 34-Jährigen vom 27. August 2013 bis zum Ende der Weltcupsaison 2013/14 wurden für ungültig erklärt.
Weil der längst nicht mehr aktive Ustjugow zum Sieg-Quartett der Russen bei den Winterspielen 2014 in Sotschi gehörte, disqualifizierte ihn die IBU nachträglich. Damit könnte das deutsche Quartett sechs Jahre nach dem Gewinn von Silber noch zum Olympiasieger werden. Ustjugow hat jetzt 21 Tage Zeit, um bei Internationalen Sportgerichtshof CAS Einspruch einzulegen.
«Ich werde bis zum Ende gehen. (...) Die Zeit wird zeigen, wer Recht hat», stellte Ustjugow russischen Sportmedien zufolge bereits klar. Er sei von der IBU-Entscheidung nicht überrascht gewesen und sprach von Gesetzlosigkeit. 2018 sei noch erklärt worden, er habe kein Doping angewendet - «und jetzt plötzlich doch». Ustjugow hat Doping stets bestritten.
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