четверг, 19 марта 2020 г.

Lebensmittelversorgung: Hamsterkäufe macht hier fast niemand mehr

Acht Uhr morgens in der Nähe des Corso Buenos Aires, einer der großen Einkaufsstraßen Mailands. Im Supermarkt gleich um die Ecke sind drei Kunden. Die Regale sind voll, nur die Eier fehlen, aber die sollen in einer halben Stunde geliefert werden. Wer nicht warten will, kann zum Peruaner fünfzig Meter weiter gehen. Da steht man meistens auch nicht in der Schlange und ein paar Schritte mehr tun ja auch dem Kreislauf gut.

Mittlerweile haben die Mailänder ihre Einkaufszeiten umdisponiert. Statt nach Feierabend gehen sie jetzt über den Tag verteilt. Immer dann, wenn sie vermuten, dass möglichst wenig andere Käufer unterwegs seien. Und es funktioniert einigermaßen gut. Auch die Öffnungszeiten haben sich geändert: Viele der großen Supermärkte schließen jetzt statt um 21 Uhr um 23 Uhr, manche sogar erst um 24 Uhr.

Auch im Inneren der Läden hat sich einiges verändert: In Supermärkten hat das Personal mit Bändern den Boden markiert, damit die Kunden genug Abstand halten. Die Kassierer werden mit Trennungsscheiben aus Plexiglas geschützt. Alle tragen sie Mundschutz und Handschuhe.

Schlangen bilden sich natürlich dennoch weiter, vor den Supermärkten sind sie länger als vor dem Bäcker. Aber das liegt daran, dass in die Geschäfte nur eine bestimmte Anzahl von Kunden hineindarf. Damit das auch respektiert wird, stehen vor vielen Eingangstüren entweder Wächter oder die Türen öffnen nur noch von innen. Wenn ein Kunde hinauskommt, darf der andere hinein.

Ab und zu gibt es auch noch jemanden, der mehrere Einkaufstaschen füllt. Fast schon entschuldigend erklärt die eine oder der andere an der Kasse, man würde auch gleich für die Eltern einkaufen, damit diese nicht außer Haus gehen.

Die Mailänder zeigen sich diszipliniert. Alle müssen das Nötigste einkaufen können. In manchen Supermärkten hängen auch Schilder an den Regalen, auf denen steht, dass der Nachschub jederzeit garantiert sei, dass es keinen Grund gäbe, von einem Produkt große Mengen zu kaufen, denn andere könnten es auch benötigen. Wie hier sieht es auch im Rest des Landes aus.

Die Lagen hat sich wieder entspannt

«Es stimmt, mittlerweile hat sich die Lage in den Läden etwas entspannt», bestätigt Ivano Vacondio, Vorsitzender des Dachverbands für Lebensmittel Federalimentare, am Telefon. «Wollen wir hoffen, dass sie es verstanden haben, dass es für alle genug gibt».

Er erzählt von den Tagen, an denen die Regale regelrecht geplündert wurden. Da mussten große Teigwarenfabriken statt 100 Lkws am Tag bis zu 300 abfertigen. Zahlen von Confagricoltura, dem Dachverband für Landwirtschaft, bestätigen das. «So ein Produktionsrhythmus wie am Anfang wäre nicht lange aufrechtzuerhalten», fügt Vacondio hinzu. Der Verkauf von Reis ist um 33 Prozent gestiegen und der von Konserven um 29 Prozent. 

Und abgesehen davon sollte man vielleicht auch an die Arbeiter denken, die tagtäglich am Arbeitsplatz erscheinen und die Versorgung garantieren. Von dem Verantwortungsbewusstsein, das diese Arbeiter an den Tag legten, sei er tief beeindruckt. Natürlich habe man für die nötigen Sicherheitsvorkehrungen gesorgt. Nebst Schutzmasken, Handschuhen und der Einrichtung von Desinfektionsspendern wurde  die Zahl der Arbeiter pro Schicht halbiert, um so den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zu gewähren. Dafür arbeiten die Betriebe jetzt rund um die Uhr, also 24 Stunden. Die Produktionsmenge sei also dieselbe wie vor dem Coronavirus.

«Was wir uns überhaupt nicht leisten können, ist, dass eine größere Anzahl unserer Mitarbeiter von dem Virus befallen wird. Deswegen noch einmal und das gilt nicht nur für die Italiener, sondern auch für alle Bürger europaweit, die vor demselben Problem stehen: Keine Hamsterkäufe, jeder Einzelne muss in dieser schwierigen Lage seinen Teil tun», mahnt Vacondio.

Und ihren Teil tun auch die Transportunternehmen, beziehungsweise die Fahrer, die die Lieferkette aufrechterhalten. Jährlich liefern sie an die 1,5 Millionen Tonnen Lebensmittelgüter aus, was knapp 11 Prozent des ganzen Warentransports in Italien darstellt. «Und im Moment sind sie voll im Einsatz», bestätigt Guido Nicolini, Vorsitzender des Dachverbands Confetra am Telefon. Abgesehen von ein paar momentanen Engpässen am Brenner und an der Grenze zu Slowenien, die aber schnell behoben wurden, funktioniere der Güterverkehr im Inland sowie der nach oder aus Italien nach wie vor problemlos.

Kleintransporteure fühlen sich im Stich gelassen

Allerdings werden im Moment die nationalen Produkte bevorzugt, dazu hat auch der Außenminister und ehemalige Vorsitzende der Fünf-Sterne-Bewegung Luigi Di Maio seine Landleute aufgerufen. Im Moment seien sie vollkommen ausgelastet, erklärt Cinzia Franchini, Sprecherin des Verbands der kleinen Transportunternehmen Ruote Libere. Doch gerade weil sie voll im Einsatz und für die Aufrechterhaltung der Lieferketten von großer Relevanz sind, fühlen sich viele dieser Unternehmer von der Politik im Stich gelassen. Das gelte in erster Linie für die Kleinen, «die aber in Italien den Großteil der Branche darstellen» sagt Franchini. «Die sind auf sich allein gestellt, bekommen nicht einmal Mundschutze.»

Auf die prekäre Lage dieser Fahrer hat Franchini am Montag in einem Schreiben aufmerksam gemacht. Die Regierung habe mehrmals darauf hingewiesen, dass man ohne die nötigen Sicherheitsmaßnahmen nicht arbeiten dürfe. «Nur, was heißt das konkret? Können Sie sich vorstellen, was das für die Lieferkette bedeuten würde, wenn wir dichtmachen?» Man hält sich also im Moment an die strikten Verordnungen, die Fahrer dürfen weder beim Ein- noch Ausladen das Fahrzeug verlassen, die Lieferdokumente werden mit Handschuhen ausgehändigt, und hofft, dass die Regierung ihnen auch bald den nötigen Mundschutz liefert.

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