четверг, 19 марта 2020 г.

Görlitzer Grenze: Gefangen auf der Autobahn

Witek arbeitet eigentlich als Handwerker in Bayern. Doch jetzt will er nur noch weg aus Deutschland. «Ein paar Tage noch, dann ist die deutsche Grenze genauso dicht», sagt er. «Und die Industrie wird auch bald unten sein.»

Der Handwerker Witek, 42 Jahre alt, will zurück zu seiner Familie in Polen. In den vergangenen Tagen hat er verfolgt, wie sich die Nachrichten zur Corona-Epidemie überschlagen haben. Eine Regierung nach der anderen hat die Grenzen geschlossen, um das Virus einzudämmen, zuletzt am Wochenende die polnische. Seither soll kein Ausländer mehr ins Land kommen, vorerst für zehn Tage. 

Witek schon, er hat einen polnischen Pass. Wäre da nicht der Stau vor ihm: eine lange Schlange von roten Rückleuchten, die sich durch die Nacht bis zum Grenzübergang zieht. Viele der Fahrzeuge haben ein polnisches Kennzeichen. Kleinbusse mit Firmen-Werbung, polnische Arbeiter und Arbeiterinnen, die bis vor Kurzem noch über ganz Europa verstreut waren. 

Fast einen Tag ist Witek schon unterwegs, jetzt sitzt er fest.  Bis zum Grenzübergang über die Neiße sind es noch zwei Kilometer, aber es geht jede Stunde nur 200, 300 Meter voran. Er wird die Nacht im Auto verbringen müssen, das wird ihm am späten Abend klar. Er steht mit anderen Autofahrern auf der Straße, raucht und flucht. «Eine Katastrophe ist das», sagt Witek.

Seit die polnische Regierung wegen der Corona-Pandemie Grenzkontrollen angeordnet hat, herrscht an den Übergangen Chaos. Kilometerlang stauen sich die Autos, besonders auf der Autobahn 4 vor Görlitz. Am Mittwochabend ist der Stau noch immer rund 70 Kilometer lang. Manche Autofahrer hängen hier seit 15 Stunden fest. Andere seit 20. 

Am Tag zuvor sind die ersten Helfer losgezogen, Freiwillige und Hilfsorganisationen, die Decken und Essen auf der Autobahn verteilen. Ein Sprecher des DRK warnt vor einer «humanitär bedenklichen Situation». Auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer schaltete sich ein und telefonierte mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, um Hilfe der Bundeswehr organisieren. 50 Soldaten wurden schließlich zur Grenze geschickt.

Wie lange kann das so weitergehen? Darauf weiß niemand eine Antwort, auch nicht in der Einsatzzentrale der Bundespolizei am Görlitzer Grenzübergang. Ein Bundespolizist sagt: «Das ist Sache der polnischen Kollegen.» Der Beamte kann die Autokolonne nur beobachten, die sich langsam an ihm vorbeischiebt. Auf der Gegenseite gibt es nur wenig Verkehr. Die Grenze in Richtung Deutschland ist noch offen. Für die Bundespolizisten könnte es ein normaler Dienst sein: keine besonderen Kontrollen, keine Einreisebeschränkungen.

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